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Pflegegrad 3: Was Ihnen zusteht und wie es weitergeht

Ab 47,5 Punkten beim MD liegt Pflegegrad 3 vor. Das bedeutet: Ihr Angehöriger braucht bei fast allem Hilfe -- Waschen, Anziehen, Essen zubereiten, oft auch nachts. Hier erfahren Sie, was Ihnen zusteht, was die Kasse zahlt und wie es mit der Pflege weitergeht.

Was bedeutet Pflegegrad 3?

Ein typischer Morgen bei Pflegegrad 3: Ihr Vater wird wach, kommt aber nicht allein aus dem Bett. Beim Waschen braucht er Hilfe, das Anziehen dauert mit Unterstützung 20 Minuten. Allein in der Küche stehen und Frühstück machen -- zu unsicher. So sieht schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit im Alltag aus.

Bei der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) müssen zwischen 47,5 und unter 70 Punkte erreicht werden. Der Unterschied zu Pflegegrad 2 ist spürbar: Während dort einzelne Hilfen reichen, brauchen Menschen mit Grad 3 in fast jedem Lebensbereich Unterstützung -- Mobilität, Körperpflege, Ernährung und oft auch kognitive Begleitung.

Leistungen bei Pflegegrad 3 (Stand 2025)

Pflegegeld für selbst beschaffte Pflegehilfen

599 € monatlich

Die Kasse überweist diesen Betrag direkt an Sie, wenn Angehörige oder Bekannte die tägliche Pflege übernehmen.

Pflegesachleistungen

1.497 € monatlich

Wird direkt an einen zugelassenen Pflegedienst gezahlt -- zum Beispiel für Grundpflege morgens und abends, Medikamentengabe oder Verbandswechsel.

Kombinationsleistung möglich

Die Kombinationsleistung ist bei Pflegegrad 3 besonders interessant, weil die Beträge höher ausfallen. Kommt zum Beispiel morgens und abends ein Pflegedienst (50 % der Sachleistungen = 748,50 EUR), bleibt Ihnen noch die Hälfte des Pflegegeldes (299,50 EUR). Das Verhältnis lässt sich monatlich anpassen.

Entlastungsbetrag

131 € monatlich

Tages- und Nachtpflege

1.357 € monatlich

Verhinderungspflege

1.685 € jährlich

Kurzzeitpflege

1.854 € jährlich

Weitere Leistungen:
  • Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: 42 € monatlich
  • Hausnotruf: 25,50 € monatlich
  • Wohnraumanpassung: bis 4.180 € pro Maßnahme
  • Vollstationäre Pflege: 1.324 € monatlich

Voraussetzungen für Pflegegrad 3

Punktebereich bei der Begutachtung: 47,5 bis unter 70 Punkte

Typische Einschränkungen bei Pflegegrad 3:

Körperliche Einschränkungen:
  • • Erhebliche Mobilitätsprobleme
  • • Hilfe bei fast allen Transfers nötig
  • • Umfassende Unterstützung bei der Körperpflege
  • • Hilfe beim An- und Auskleiden
  • • Inkontinenzversorgung erforderlich
  • • Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme
Kognitive/psychische Einschränkungen:
  • • Deutliche Gedächtnisstörungen
  • • Desorientierung zu Zeit und Ort
  • • Verhaltensauffälligkeiten
  • • Tag-Nacht-Rhythmus gestört
  • • Weglauftendenz möglich
  • • Ständige Beaufsichtigung nötig
Das wissen viele nicht:

Wenn die Pflegebedürftigkeit plötzlich eintritt -- zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder einem schweren Sturz -- haben Sie auch ohne Vorversicherungszeit sofort Anspruch auf Leistungen. Ich hatte eine Familie, deren Vater nach einem Hirnschlag von Null auf Pflegegrad 3 eingestuft wurde. Innerhalb einer Woche standen die Leistungen.

So beantragen Sie Pflegegrad 3

1
Antrag bei der Pflegekasse stellen

Rufen Sie bei Ihrer Krankenkasse an und sagen Sie: "Ich möchte Leistungen der Pflegeversicherung beantragen." Ein Satz genügt -- die Kasse schickt Ihnen dann die Formulare. Haben Sie bereits Pflegegrad 2, sagen Sie: "Ich möchte eine Höherstufung beantragen."

2
Fragebogen ausfüllen

Die Selbstauskunft fragt nach dem Tagesablauf: Wann braucht Ihr Angehöriger Hilfe? Wie oft nachts? Mein Rat: Beschreiben Sie den schlechtesten Tag, nicht den besten. Viele Familien untertreiben aus Scham -- und verschenken damit Punkte.

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Begutachtung durch den MD

Ein Gutachter kommt nach Hause und beobachtet rund 60 Minuten lang, was Ihr Angehöriger selbst kann und wo nicht. Wichtig: Zeigen Sie, was schwerfällt. Viele ältere Menschen reißen sich vor dem Gutachter zusammen und wollen zeigen, wie fit sie noch sind -- das kostet Punkte.

4
Bescheid erhalten

Innerhalb von 25 Arbeitstagen kommt der Bescheid. Wird abgelehnt oder ein zu niedriger Grad vergeben? Sie haben 4 Wochen für den Widerspruch. Nutzen Sie die Frist -- nach meiner Erfahrung sind rund 30 bis 35 Prozent der Widersprüche erfolgreich.

Aus unserer Erfahrung

Schreiben Sie vor dem Gutachtertermin mindestens 14 Tage lang auf, was Sie jeden Tag tun: "7:15 Uhr -- Vater aus dem Bett geholfen, 15 Min. 7:30 -- beim Waschen unterstützt, 25 Min." Ohne so ein Tagebuch vergessen die meisten die Hälfte. Und der Gutachter sieht nur eine Momentaufnahme.

Wichtige Änderungen 2025: PUEG-Reform

Leistungserhöhungen ab 1. Januar 2025:

  • • Alle Pflegeleistungen wurden um 4,5% erhöht
  • • Ab 2028 erfolgt automatische Anpassung an die Inflation
  • • Entlastungsbetrag steigt von 125€ auf 131€

Umwandlungsanspruch nutzen:

Ein häufig übersehener Vorteil: Ungenutzte Sachleistungen lassen sich zu 40% in Betreuungsleistungen umwandeln:

Beispiel bei Pflegegrad 3:

40% von 1.497€ = bis zu 598,80€ zusätzlich für Betreuung

Ab Juli 2025: Gemeinsamer Jahresbetrag

Seit Mitte 2025 gibt es eine spürbare Verbesserung: Das Budget für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege wurde zusammengelegt -- insgesamt 3.539€ pro Jahr, flexibel einsetzbar.

24-Stunden-Betreuung bei Pflegegrad 3

Bei Pflegegrad 3 ist eine 24h-Betreuung für viele Familien der Punkt, an dem sie nötig wird. Nicht für alle -- aber ein klares Zeichen ist, wenn Sie als Angehörige merken, dass Sie selbst am Limit sind. Eine Einschränkung vorab: Eine 24h-Kraft ersetzt keine examinierte Pflegefachkraft. Bei medizinischer Behandlungspflege (Spritzen, Infusionen, Wundversorgung) brauchen Sie zusätzlich einen ambulanten Pflegedienst.

  • Ihr Angehöriger kann nicht mehr allein zu Hause bleiben -- auch nicht für wenige Stunden
  • Nachts wird zwei- oder dreimal Hilfe gebraucht (Toilette, Lagern, Beruhigen)
  • Demenz oder Desorientierung macht ständige Anwesenheit notwendig
  • Das Pflegeheim ist finanziell oder emotional keine Option
Was die Kasse zur 24h-Betreuung beisteuert:
Pflegegeld 599 €
Verhinderungspflege (anteilig) ~140 €
Kurzzeitpflege (umgewandelt) ~154 €
Gesamt monatlich ~893 €

Konkret: Eine Betreuungskraft über marta kostet ab 2.410 EUR/Monat. Nach Abzug der Kassenleistungen bleibt ein Eigenanteil von rund 1.500 EUR. Das ist nicht wenig -- aber im Pflegeheim zahlen Sie bei Pflegegrad 3 in Berlin durchschnittlich 2.200 EUR Eigenanteil. Die eigenen vier Wände sind also nicht teurer.

Pflegegrad 3 auf einen Blick

Pflegegeld

599 € / Monat

Pflegesachleistungen

1.497 € / Monat

Punktebereich

47,5 - 69,9 Punkte

Häufige Fragen zu Pflegegrad 3

Was ist der Unterschied zwischen Pflegegrad 2 und 3?

Kurz gesagt: Bei Pflegegrad 3 stehen fast doppelt so hohe Leistungen zur Verfügung. Statt 347 EUR Pflegegeld bekommen Sie 599 EUR, statt 796 EUR Sachleistungen 1.497 EUR. Auch die Tages- und Nachtpflege steigt von 721 EUR auf 1.357 EUR. Der entscheidende Unterschied im Alltag: Bei Grad 2 reichen einzelne Hilfen, bei Grad 3 braucht Ihr Angehöriger in fast jedem Lebensbereich Unterstützung.

Kann ich Verhinderungs- und Kurzzeitpflege kombinieren?

Ja, und das sollten Sie auch tun. Sie können bis zu 50 % der Kurzzeitpflege (927 EUR) für die Verhinderungspflege umwidmen. Das ergibt bis zu 2.612 EUR jährlich für Ersatzpflege -- zum Beispiel, wenn Sie als Angehöriger mal eine Woche Urlaub brauchen oder selbst krank werden. Bei Pflegegrad 3 ist diese Flexibilität Gold wert. Ab Juli 2025 wird es noch einfacher: Dann gibt es ein gemeinsames Budget von 3.539 EUR.

Welche Hilfsmittel stehen mir bei Pflegegrad 3 zu?

Alles, was medizinisch notwendig ist: Pflegebett, Rollstuhl, Toilettenstuhl, Badewannenlift -- die Pflegekasse übernimmt die Kosten. Dazu kommen 42 EUR monatlich für Verbrauchsmaterial wie Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen oder Desinfektionsmittel. Mein Tipp: Lassen Sie sich die Hilfsmittel vom Arzt verordnen, nicht erst beim Gutachtertermin ansprechen. Das geht schneller.

Ist eine 24-Stunden-Betreuung bei Pflegegrad 3 sinnvoll?

Bei Pflegegrad 3 rufen mich oft Töchter an, die sagen: "Mama schafft es nicht mehr allein, aber ins Heim will sie auf keinen Fall." Genau hier macht eine 24h-Betreuung Sinn. Mit 599 EUR Pflegegeld plus Verhinderungs- und Kurzzeitpflege kommen Sie auf rund 893 EUR Kassenzuschuss im Monat. Bei Kosten ab 2.410 EUR bleibt ein Eigenanteil von etwa 1.500 EUR -- das ist weniger als im Berliner Pflegeheim, wo Sie bei Grad 3 im Schnitt über 2.200 EUR selbst zahlen.

Brauchen Sie Unterstützung bei Pflegegrad 3?

Ich bin Roksana Reblitz. In 15 Minuten am Telefon kläre ich mit Ihnen, welche Leistungen Sie schon nutzen, was noch fehlt und ob eine 24h-Betreuung für Ihre Situation passt. Kostet nichts.